Die Photovoltaik-Branche erlebt 2026 eine historische Zäsur. Erstmals seit zwei Jahrzehnten zeichnet sich ein Rückgang der weltweiten Neuinstallationen ab – doch dieser Moment ist nicht als Krisenzeichen misszuverstehen. Vielmehr vollzieht sich ein fundamentaler Wandel: von der reinen Wachstums- zur Wertschöpfungsphase .
Globale Marktentwicklung: Der erste Dämpfer nach 20 Jahren
Erstmals in der über 20-jährigen Beobachtungsgeschichte prognostizieren Analysten für 2026 einen Rückgang der globalen Photovoltaik-Neuinstallationen. Bloomberg New Energy Finance erwartet einen leichten Rückgang auf etwa 648 Gigawatt – die erste negative Wachstumsrate seit der Jahrtausendwende . InfoLink Consulting geht sogar von 529 bis 624 GW aus .
Die Gründe: politische Unsicherheiten in den USA, Netzengpässe, Marktsättigung in China sowie steigende Kosten durch die Silberpreis-Rally, die die Produktion verteuert .
Deutschland: Normalisierung nach Boomjahren
„Ich gehe von einem normalen Jahr 2026 aus“, sagt Peter Knuth, Vorsitzender des Bundesverbandes des Solarhandwerks. „Wir können jetzt nicht mehr von den Absatzzahlen ausgehen, die wir in den Boomjahren hatten“ .
Besonders deutlich ist der Rückgang im Einfamilienhaus-Segment: Der Zubau lag 2025 rund 30 Prozent unter dem Vorjahresniveau . Als dämpfende Faktoren nennt Knuth ausbleibende Strompreissteigerungen, politische Unsicherheiten zur EEG-Reform und das traditionell schwache erste Quartal .
Batteriespeicher boomen
Während der PV-Markt an Dynamik verloren hat, entwickelt sich der Speichermarkt positiv. Nahezu keine neue Anlage wird 2026 noch ohne Speicher verkauft . Viele Bestandskunden rüsten nach – ein Beleg für die Wirtschaftlichkeit der Kombination.
Die technologische Entwicklung schreitet rasant: Huawei prognostiziert eine Steigerung der Leistungsdichte von Wechselrichtern um über 40 Prozent . Gleichzeitig wird KI zunehmend in Systeme integriert .
Sektorenkopplung als neues Paradigma
Die Kopplung mit Wärmepumpen gewinnt an Bedeutung. Der Absatz von Wärmepumpen stieg 2025 um 55 Prozent . Wer seine Heizung ersetzt, entscheidet sich fast immer auch für PV.
Rund 25 Prozent der neuen Solarsysteme werden mit Wallboxen kombiniert . Ab Mitte 2026 kommt zudem Energy-Sharing nach Deutschland – überschüssiger Strom kann dann mit Nachbarn geteilt werden .
Wirtschaftlichkeit: Amortisation in 8 bis 12 Jahren
Trotz Unsicherheiten bleibt Photovoltaik attraktiv. Die Amortisationszeit liegt zwischen 8 und 12 Jahren . Ohne Speicher liegt der Eigenverbrauch bei etwa 30 Prozent, mit Speicher steigt er auf 60 Prozent und mehr .
Die Stromgestehungskosten liegen für Residential-Anlagen zwischen 13 und 19 Cent pro kWh – deutlich unter den Bezugspreisen von etwa 25 Cent .
Politische Weichenstellungen
Die EEG-Einspeisevergütung für Neuanlagen soll abgeschafft werden. Geplant ist die Einführung von Contracts for Difference (CfD) . Fachleute erwarten einen Vorzieheffekt: „Lieber jetzt noch schnell eine Anlage mit der klassischen Vergütung“.
Ab 1. April 2026 streicht China die Mehrwertsteuer-Exportvergünstigungen für Solarmodule . Dies wird zu spürbaren Preissteigerungen führen – eine Zäsur nach jahrelang fallenden Modulpreisen.
Strategische Neuausrichtung
Die Branche wandelt sich vom „Größenvergleich und Preiskampf hin zum Wertwettbewerb“ . Gefragt sind Systemintegration, Qualität und Langlebigkeit.
Für Kunden wird die Anbieterwahl wichtiger. Knuth rät: „Genau hinschauen. Ist der Anbieter auf dem neuesten Stand der Technik?“ .
Fazit: Photovoltaik bleibt gute Wahl
Trotz Unsicherheiten bleibt Photovoltaik 2026 wirtschaftlich sinnvoll. Die Technologie ist ausgereift, die Kosten historisch niedrig. Wer investiert, profitiert von sinkenden Modulpreisen (bis April), steigendem Eigenverbrauch und Unabhängigkeit von Strompreisen.
Für alle, die über eine Investition nachdenken, gilt Knuths Rat: „Keine Angst vor der Zukunft haben und lieber jetzt investieren, als später bereuen“